Bei den meisten Objektiven ist eine Gegenlichtblende im Lieferumfang enthalten. Aber wofür ist sie eigentlich gut?
Grundsätzlich sollte die Gegenlichtblende (auch als Streulichtblende oder Sonnenblende bekannt) beim Fotografieren aufgesetzt bleiben. Sie hilft dabei, unerwünschtes Licht, Spiegelungen und Geisterbilder zu reduzieren und schützt gleichzeitig die Vorderseite deines Objektivs vor Stößen und Witterungseinflüssen. In manchen Situationen kann es aber auch sinnvoll sein, sie abzunehmen.
Connor Redmond ist Fotograf und Autor bei MPB und testet seit drei Jahren Kameras und Objektive – von den schottischen Highlands bis hin zu den Sandstränden Cornwalls. Erfahre von ihm, wann Gegenlichtblenden wirklich Sinn ergeben und wann du sie ruhig in der Tasche lassen kannst.

Wofür brauche ich eine Gegenlichtblende?
Kurz gesagt, dient eine Gegenlichtblende dazu, unerwünschtes Licht von der Vorderseite deines Objektivs fernzuhalten. Indem sie Streulicht abfängt, hilft sie dir, schärfere Bilder zu machen.
Ein weiterer Zweck von Gegenlichtblenden ist der Schutz deiner Frontlinse vor den Elementen (Regen, Staub, Schnee), Kratzern und versehentlichen Stürzen.
Beispielbilder mit und ohne Gegenlichtblende
Um zu veranschaulichen, welchen Unterschied eine Gegenlichtblende macht, habe ich unterschiedliche Motive jeweils mit und ohne Gegenlichtblende fotografiert.
Links: Ohne Gegenlichtblende | Rechts: Mit Gegenlichtblende
Links: Ohne Gegenlichtblende | Rechts: Mit Gegenlichtblende
Wenn die Sonne tief steht, wird es mitunter etwas kniffliger. Im Gegensatz zu den vorherigen Aufnahmen, die gegen Mittag entstanden sind, ist die Abendsonne zwar weniger stark, aber trotzdem können Lichtreflexe auftreten. Die Gegenlichtblende hat sich hier als sehr effektiv erwiesen.
Vielleicht möchtest du Lichtreflexe aber auch bewusst im Bild behalten. Bei den beiden Bildern oben gefällt mir zum Beispiel das mit dem Lichtreflex besser, weil es dem Foto mehr Wärme und eine sommerlichere Atmosphäre verleiht. Letztendlich ist das aber Geschmackssache.

Ian Howorth | Sony A9 | 1/6400 sec | ISO 125
Was sind Lichtreflexe?
Lichtreflexe (oder Streulicht) erscheinen auf deinen Fotos als Flecken oder Streifen, wenn eine helle Lichtquelle wie die Sonne oder eine Straßenlaterne in einem bestimmten Winkel auf dein Objektiv trifft. Oft verringert sich dadurch der Kontrast und die Detailgenauigkeit deiner Aufnahme, du kannst sie aber auch gezielt für kreative Effekte einsetzen.

Beispiel für Geisterbilder
Was sind Geisterbilder?
Ein weiterer unerwünschter Effekt sind Geisterbilder (auch Ghosting genannt). Sie erscheinen als schwache Doppelbilder oder Flecken im Bild, wenn Licht zwischen den Linsenelementen reflektiert wird. Eine Gegenlichtblende hilft, Geisterbilder und Lichtreflexe zu minimieren, was zu schärferen und kontrastreicheren Aufnahmen führt.
Auch die Qualität der Beschichtungen auf den Linsenelementen deines Objektivs spielt hier eine wichtige Rolle, denn sie helfen, zusammen mit der Gegenlichtblende, unerwünschtes Licht fernzuhalten.
Allerdings löst eine Gegenlichtblende nicht alle Probleme im Zusammenhang mit Geisterbildern und Streulicht. Auch die Qualität der Beschichtungen auf den Linsenelementen deines Objektivs spielt hier eine wichtige Rolle. Diese beiden Punkte sind wichtig, wenn du Schwierigkeiten hast, den Lichteinfall zu kontrollieren, und nicht die gewünschten Ergebnisse erzielst.

Anmerkung der Fotografin: Ich hätte hier wahrscheinlich eine Gegenlichtblende verwenden sollen, denn ich habe direkt in die Sonne fotografiert. Aus kreativer Sicht gefällt mir aber ganz gut, wie stark mein Motiv im Gegenlicht liegt. Also denkt daran: Streulicht ist nicht immer das Ende der Welt, manchmal ist es sogar ein glücklicher Zufall.
Wann ist eine Gegenlichtblende sinnvoll?
Grundsätzlich empfiehlt es sich, die Gegenlichtblende immer aufgesetzt zu lassen. Nimm sie nur ab, wenn sie dich stört oder wenn du bewusst Streulicht im Bild haben möchtest. Bei hellem Sonnenschein solltest du die Gegenlichtblende immer drauf lassen, da sie direktes Sonnenlicht abschirmt und Lichtreflexe reduziert.
Auch bei starkem Gegenlicht solltest du eine Gegenlichtblende verwenden – und zum Schutz deines Objektivs bei schlechtem Wetter.
Wann ist eine Gegenlichtblende nicht sinnvoll?
Manchmal steht eine Gegenlichtblende auch im Weg oder schränkt deine kreativen Möglichkeiten ein. Wenn du Lichtreflexe kreativ nutzen möchtest, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, solltest du natürlich auf die Gegenlichtblende verzichten. Auch in kontrollierten Umgebungen, wie zum Beispiel im Studio, spielt die Gegenlichtblende eine untergeordnete Rolle, da du das Licht dort viel besser steuern kannst.
Auch bei Makroaufnahmen bist du ohne Gegenlichtblende manchmal besser dran. Bei sehr kurzen Abständen zum Motiv kommst du mit einer großen Gegenlichtblende möglicherweise nicht nah genug heran oder verhinderst, dass das Licht dein Motiv erreicht.
Außerdem kann eine Gegenlichtblende Probleme verursachen, wenn du den integrierten Blitz deiner Kamera verwendest. Bei manchen Objektiv-Kamera-Kombinationen, insbesondere bei größeren Objektiven oder Gegenlichtblenden, kann sie einen Teil des Blitzlichts abschirmen und harte, seltsame Schatten erzeugen.

Beim Einsatz von Ultraweitwinkelobjektiven kann eine falsche Gegenlichtblende zu Vignettierung führen, d. h., die Blende blockiert den Lichteinfall entlang der Ränder des Objektivs, wodurch dunkle Ecken oder Ränder im Bild entstehen. Wenn du diesen Effekt vermeiden willst, nimm die Blende einfach ab.

Wie bringe ich eine Gegenlichtblende an?
Gegenlichtblenden werden direkt an der Vorderseite des Objektivs befestigt. Je nach Ausführung kannst du sie entweder aufschrauben oder mithilfe eines Bajonettverschlusses festdrehen, bis sie sicher sitzt.
Es ist wichtig, für jedes Objektiv die passende Gegenlichtblende zu verwenden. Eine falsche Blende kann zu Bildverzerrungen oder dunklen Ecken auf deinen Fotos führen. Viele Gegenlichtblenden lassen sich außerdem umdrehen und rückwärts am Objektiv befestigen, um sie bei Nichtgebrauch platzsparend zu verstauen.
Achte vor dem Fotografieren immer darauf, dass du beim Anbringen der Gegenlichtblende ein deutliches Klicken hörst, damit du weißt, dass sie sicher befestigt ist. Ansonsten könnte es passieren, dass die Gegenlichtblende unerwartet abstürzt, wenn du die Kamera zum Auge führst.

Arten von Gegenlichtblenden
Es gibt verschiedene Arten von Gegenlichtblenden, die jeweils für bestimmte Objektive und Aufnahmesituationen konzipiert sind.
Zylindrische Gegenlichtblenden
Eine zylindrische Gegenlichtblende ist eine einfache, röhrenförmige Blende, die am häufigsten bei Teleobjektiven zum Einsatz kommt. Da diese Objektive ein enges Sichtfeld haben, kannst du hier auch eine längere Gegenlichtblende verwenden, ohne dass sie im Bild zu sehen ist.
Zylindrische Gegenlichtblenden sieht man oft in der Sport- und Naturfotografie, wo häufig Teleobjektive verwendet werden. Beispiele für entsprechende Aufnahmen findest du in unserem Leitfaden: Sportfotografie und im Leitfaden: Wildlife-Fotografie und -Videografie.
Blütenblattförmige Gegenlichtblenden
Blütenblattförmige Gegenlichtblenden (auch als Petal- oder Tulpenblenden bekannt) haben charakteristische Ausschnitte, um Streulicht so gut wie möglich abzublocken, ohne dabei im Bild zu erscheinen.
Besonders nützlich sind sie bei Weitwinkel- und Zoomobjektiven, wo ihre Form dazu beiträgt, Vignettierung zu vermeiden und gleichzeitig Streulicht und Linsenreflexe zu reduzieren. Am häufigsten kommt dieser Blendentyp in der Landschafts- und Architekturfotografie zum Einsatz.
Quadratische oder rechteckige Gegenlichtblenden
Quadratische oder rechteckige Gegenlichtblenden sind in den letzten Jahren zu einem regelrechten Trend geworden. Das liegt zum Teil an ihrem Retro-Look und der Verbindung mit Leica und anderen Messsucherkameras, wo man sie oft an hochwertigen Objektiven sieht.
Aufgrund ihrer rechteckigen Form können sie Lichtreflexe effektiv reduzieren, da sie Streulicht abhalten, ohne das Sichtfeld des Objektivs einzuschränken. Für manche Fotograf:innen liegt der Reiz aber ebenso sehr in ihrem Stil und ihrer Praktikabilität wie in den optischen Vorteilen.

Gebrauchter UV-Filter
Gegenlichtblende oder UV-Filter?
Unter Fotograf:innen wird oft diskutiert, ob eine Gegenlichtblende oder ein UV-Filter den besseren Schutz bietet. Trotz aller Meinungen, die online kursieren, erfüllen beide aber unterschiedliche Zwecke. Eine Gegenlichtblende eignet sich im Allgemeinen besser, um Lichtreflexe und Geisterbilder zu verhindern, während ein UV-Filter als physischer Schutz für die Frontlinse deines Objektivs fungiert.
Eine Gegenlichtblende löst aber nicht jedes Problem mit Streulicht oder Geisterbildern. Manchmal ist auch der Filter der Übeltäter, denn billige UV-Filter mit minderwertigen Beschichtungen sorgen für eine zusätzliche Glasoberfläche vor dem Objektiv, die Reflexionen verursachen und die gute Arbeit eines teuren Objektivs zunichte machen kann. Grundsätzlich kannst du Gegenlichtblenden zwar in Verbindung mit UV-Filtern verwenden, bei bestimmten Objektiven, bei Makroaufnahmen oder beim Einsatz von integrierten Blitzen kann es aber etwas kniffliger werden. In der Regel bietet eine Gegenlichtblende den besseren Schutz vor äußeren Einflüssen und mehr Kontrolle über Streulicht. Lies auch unseren Leitfaden zu Objektivfiltern, um mehr zu erfahren.
Weitere Tipps und Techniken und Testberichte findest du auf dem MPB-Blog.
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