So drehst du ein Musikvideo mit kleinem Budget
Veröffentlicht am 14. August 2026 von MPB
Du brauchst weder ein riesiges Team noch teure Kinoausrüstung oder ein Studio, um ein Musikvideo zu drehen. Was du wirklich brauchst, sind eine konkrete Idee, ein realistischer Plan und Kreativität im Umgang mit dem Equipment, das du schon hast.
Videografin Lena Hempel verrät, wie du auch mit kleinem Budget überzeugende Musikvideos drehen kannst. Als echtes Multitalent – Videografin, Editorin, Gitarristin, Komponistin und Creative Director – reichen ihre Projekte von Musikvideos über Sport- und Social-Content bis hin zu Werbeaufträgen. Für ihre eigene Metal-Band bringt sie dabei ihre Erfahrung hinter der Kamera mit ihrem Gespür für Rhythmus und Performance zusammen.
Lukas Davos | Nikon ZR | Keine Angaben zum Objektiv | 44 mm | f/9 | 1/200 sec | ISO 250
Was ist ein Musikvideo mit kleinem Budget?
Bei einem Musikvideo mit kleinem Budget nutzt du Ausrüstung, die du bereits hast oder dir kostengünstig leihen kannst, und konzentrierst dich auf das, was dir kostenlos zur Verfügung steht. Das können Kameras, Objektive eine Mischung aus natürlichem Licht und künstlicher Beleuchtung, frei zugängliche Locations, ein kleines Team oder selbstgebaute Rigs aus dem, was gerade herumliegt. Am Ende bedeutet ein kleineres Budget vor allem eines: Du musst dein Equipment wirklich beherrschen.
Schau dir auch unser Video von Lenas Musikvideodreh für ihre Band an, um mehr zu erfahren:
https://youtu.be/U131pB2ce8g?rel=0Wie plant man ein Musikvideo mit kleinem Budget?
Bevor du auch nur einen Euro ausgibst, sollte dein Konzept stehen. Entscheide zuerst, ob sich das Video auf die musikalische Performance konzentrieren oder eher eine Geschichte erzählen soll. Ein Performance-Video lebt von Energie, Bewegung und genug Material fürs Schneiden, während ein Video, das eine Geschichte erzählen soll, mehr Struktur, bestimmte Locations und mehr Vorbereitung braucht.
Sobald das Konzept steht, erstelle ein Moodboard mit Beispielen für Farben, Bildaufbau, Stimmung, Kamerabewegung und Handlung, um die Eckpunkte schon vor dem Dreh abzustecken. So weiß das ganze Team, wo es langgeht, und du verlierst beim Dreh nicht den roten Faden.
Teile mit dem Team schon vorab einen konkreten Ablaufplan für den Drehtag, damit alle am Set wissen, was sie zu tun haben und die Regieanweisungen verstehen. Je weniger unklar ist, desto schneller seid ihr mit dem Dreh durch.
Ein weiterer wichtiger Schritt bei der Planung ist die Location-Suche – mehr dazu aber später.
Investiere bei der Vorbereitung auch ruhig genug Zeit. Wenn du gut vorbereitet bist, hast du am Set eher den Kopf frei, um spontan und kreativ zu reagieren, statt mitten im Dreh nach Inspiration zu suchen.
Lukas Davos | Nikon ZR | Keine Angaben zum Objektiv | 60 mm | f/2.8 | 1/250 sec | ISO 640
Welche Ausrüstung brauchst du für ein Musikvideo mit kleinem Budget?
Du brauchst keine teure Ausrüstung, um ein gutes Musikvideo zu drehen. Eine Kamera, ein vielseitiges Objektiv und die beste Beleuchtung, die du dir leisten kannst, sind schon die halbe Miete. Am besten investierst du dein Geld zuerst in Beleuchtung, danach in ein gutes Objektiv und erst zum Schluss in deine Kamera. Eine gute Kamera ist zwar hilfreich, aber am wichtigsten ist ein klares Konzept und dass du deine Ausrüstung im Schlaf beherrschst.
Ich persönlich filme mit einer Sony A7S III und einem Sigma 24-70mm f/2.8 D EX A, um die digitale Schärfe abzumildern und einen weicheren Look zu erzielen. Aber auch mit einem günstigeren Setup kannst du viel erreichen: Eine Kamera mit 10-Bit-Video gibt dir später mehr Spielraum bei der Farbanpassung, aber auch 8-Bit funktioniert gut, wenn du sauber belichtest und in der Nachbearbeitung sauber arbeitest. Mehr über den Unterschied zwischen 8-Bit und 10-Bit erfährst du in Was ist der Unterschied zwischen 8-Bit und 10-Bit?
Egal, ob du mit deiner eigenen Ausrüstung oder mit Leihgeräten drehst: Ein gutes Objektiv bringt oft viel mehr als mehrere durchschnittliche. Ein 35-mm- oder 50-mm-Festbrennweitenobjektiv ist zum Beispiel ein guter Einstieg, denn Festbrennweiten sind in der Regel günstiger, schärfer und leistungsfähiger bei schlechtem Licht als Zoomobjektive. Auch Vintage-Objektive sind eine erschwingliche Option. Sie zwingen dich zwar zum manuellen Fokussieren, aber genau diese Einschränkung kann deinem Video den gewissen Look verleihen.
Lukas Davos | Nikon ZR | Keine Angaben zum Objektiv | 70 mm | f/2.8 | 1/60 sec | ISO 80
Aber nochmal kurz zurück zum Licht: Das richtige Licht kann den Unterschied zwischen einem langweiligen und einem cineastischen Look ausmachen, solange du weißt, wo du es platzierst und welche Stimmung dadurch entsteht. Auch natürliches Licht kann wunderschön aussehen, wenn du weißt, wann du es einsetzt. Hartes Sonnenlicht wirkt intensiver und schärfer, weicheres Licht dagegen intimer oder cineastischer. Entscheidend ist, dass du deine Entscheidungen nicht dem Zufall überlässt.
Lukas Davos | Nikon ZR | Keine Angaben zum Objektiv | 24 mm | f/14 | 1/200 sec | ISO 1000
Wie findest du Locations für ein Musikvideo mit kleinem Budget?
Fang bei der Location-Suche mit Orten an, an denen du kostenlos filmen kannst, z. B. Räume von Freund:innen und Verwandten, lokale Veranstaltungsorte, im Freien oder an ungewöhnlichen Locations, für die du nur eine Genehmigung brauchst. Die richtige Location macht oft schon viel aus, ohne dein Budget zu belasten.
Gute Locations sind nicht immer leicht zu finden, also lohnt es sich, sich im Laufe der Zeit eine Liste zu machen. Frag herum, merk dir Orte, die für künftige Drehs infrage kommen könnten, und scoute immer schon vorab.
Hier eine kurze Checkliste für die Location-Suche:
Darf man dort legal und sicher filmen?
Wie ist das Licht?
Gibt es Steckdosen oder brauchst du Akkus (besonders wichtig, wenn du mit künstlicher Beleuchtung arbeitest)?
Stört ihr dort andere mit eurer Musik und seid ihr dort ungestört?
Welche Blickwinkel funktionieren gut, und was sollte außerhalb des Bildausschnitts bleiben?
Lukas Davos | Nikon ZR | Keine Angaben zum Objektiv | 70 mm | f/4.5 | 1/200 sec | ISO 64
Braucht man ein ganzes Team, um ein Musikvideo zu drehen?
Du kannst ein Musikvideo auch allein drehen, aber schon ein bis zwei zusätzliche Leute machen den Tag deutlich entspannter, da dir so jemand bei deiner Ausrüstung zur Hand gehen kann, während jemand anderer das Timing im Blick behält oder sich um die Leute am Set kümmert. Alle Rollen sollten aber klar verteilt sein: Wenn niemand weiß, wer was macht, bremst es dich aus.
Eine Person sollte die kreative Leitung übernehmen, andere können bei der Vorbereitung helfen – aber sobald der Plan steht, braucht der Dreh eine klare Regie.
Wenn du beim Dreh Leute beschäftigst, die du dafür gering oder gar nicht bezahlst, solltest du unbedingt darauf achten, dass sie auch etwas davon haben – ob Material fürs Portfolio, Erfahrung, Kontakte, Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, oder einfach einen kreativen Tag mit netten Menschen.
Standbild eines Sony-Kamera-Rigs aus einem Video
Wie dreht man Musikvideos mit kleinem Budget?
Sorg beim Dreh für Abwechslung durch Bildaufbau, Bewegung und Performance. Selbst mit nur einer Location kannst du Totalen, Halbtotalen und Nahaufnahmen mit statischen Einstellungen, bewegten Shots und intensiveren, bewegungsunscharfen Momenten mischen. So hast du beim Schneiden zum Track deutlich mehr Optionen.
Bei einem Performance-Video kommt es vor allem auf die richtige Energie an. Der Act muss sich voll auf die Performance einlassen, und die Kamerabewegung sollte das unterstreichen. Bewegt sich der Gitarrist zum Beat, bewege dich mit. Gibt es einen starken Moment in der Performance, versuche, ihn so einzufangen, dass er das Publikum mitreißt.
Gerade, wenn du noch nicht so gut einschätzen kannst, wie viel Filmmaterial du insgesamt brauchst, filme lieber etwas mehr. Das bedeutet zwar mehr Arbeit beim Schneiden, aber genau so lernst du im Laufe der Zeit, was am besten funktioniert.
Behalte gleichzeitig auch im Blick, was auf deinen Bildern zu sehen ist. Funktioniert nur die Nahaufnahme, dann filme die Nahaufnahme. Zeigt eine weite Einstellung zu viel von der Location und wirkt dadurch billig, dann finde einen anderen Bildausschnitt.
Lukas Davos | Nikon ZR | Keine Angaben zum Objektiv | 30,5 mm | f/2.8 | 1/250 sec | ISO 400
Wie schneidet man ein Musikvideo mit kleinem Budget?
Beim Schneiden passiert die eigentliche Magie, denn durch kreative Entscheidungen kannst du viele der Einschränkungen, die dir durch dein Budget gesetzt sind, wieder wettmachen.
Bei einem Performance-Video synchronisiere ich zuerst das Material mit dem Track. Hat der Act den Song am Set live performt, gibt mir das eine klare Grundlage. Sei bei der Auswahl der endgültigen Sequenzen für dein Video ruhig konsequent: Fällt die Energie ab, bricht die Komposition oder löst eine Einstellung nichts in dir aus, raus damit. Manchmal wählst du nicht den besten Shot, sondern den am wenigsten schlechten.
Die Shot-Auswahl ist übrigens wichtiger, als viele denken. Ein technisch unperfekter Shot kann funktionieren, wenn die Emotion stark genug ist, und ein technisch sauberer Shot kann trotzdem langweilig sein. Eine gute Einstellung sollte etwas in dir auslösen, zur Geschichte beitragen, die du erzählen willst, und offensichtliche technische Probleme vermeiden – es sei denn, genau diese Probleme sind Teil deines Stils.
Auch der Rhythmus zählt. Zum Beat zu schneiden, kann Wirkung erzeugen, aber wenn du wirklich alles exakt auf den Beat schneidest, wird es schnell langweilig. Manchmal wirkt der Schnitt gerade dann runder, wenn er nicht ganz dem Takt folgt, oder du kannst dadurch zusätzliche Spannung erzeugen.
Auch bei der Farbkorrektur hast du unterschiedliche kreative Möglichkeiten. In einem meiner Videos habe ich zum Beispiel meine Unterwasser-Shots rot eingefärbt, um sie vom natürlichen Blau des Meeres abzuheben. Das hat in der Produktion nichts gekostet, aber das Gefühl, das die Szene vermittelt, komplett verändert.
Das soll natürlich nicht heißen, dass du dich am Set zu 100 % darauf verlassen sollst, dass du in der Nachbearbeitung alles retten kannst. Versuch, schon beim Dreh das Beste aus deinen Aufnahmen herauszuholen, und nutze Schnitt und Grading nur, um sie zu verbessern.
Häufige Fehler beim Drehen eines Musikvideos
1. Einen Stabilizer nutzen, nur weil du einen hast: Ein Stabilizer kann sinnvoll sein – aber nur, wenn er zum Narrativ beiträgt. Wenn Aufnahmen aus der Hand zur Dynamik des Songs passen, dann filme aus der Hand. Passt ein ruhigerer Look besser zum Konzept, nutze den Stabilizer.
2. Das Video wie ein Make-up-Tutorial ausleuchten: Vermeide flaches Frontlicht, außer es ist eine bewusste Entscheidung. Ein Ringlicht oder direktes Licht auf das Motiv kann Form und Atmosphäre zerstören.
3. Beim Schnitt zu viele Effekte darüberlegen: Effekte sollten den Schnitt nicht tragen, sondern zum bestmöglichen Endergebnis beitragen. Trägt ein Effekt nichts zum Gefühl des Tracks bei, raus damit.
4. Augenverfolgung ignorieren: Die Augenverfolgung bestimmt, wann der Blick der Zuschauer:innen von einer Einstellung zur nächsten wandert. Springt der Fokuspunkt ohne erkennbare Absicht hin und her, wirkt der Schnitt schnell unkontrolliert.
Lukas Davos | Nikon ZR | Keine Angaben zum Objektiv | 70 mm | f/9 | 1/100 sec | ISO 400
Abschließende Tipps für alle, die ihr erstes Musikvideo drehen
Konzentriere dich bei deinem ersten Musikvideo und wenig Zeit auf die Basics: Weißt du, was du willst? Kennst du deine Ausrüstung? Verstehst du die Stimmung, die du erzeugen willst? Filme einfach mehr Material als du vielleicht brauchst und lerne beim Schneiden fürs nächste Mal dazu.
Bei Musikvideos mit kleinem Budget geht es nicht darum, so zu tun, als hättest du eine Menge Geld ausgegeben, sondern darum, mit dem, was du hast, die besten Entscheidungen zu treffen.
FAQs
Kann man ein Musikvideo mit nur einer Kamera und einem Objektiv drehen?
Ja. Eine Kamera und ein vielseitiges Objektiv reichen für ein Musikvideo aus, solange du die Performance mehrmals aus unterschiedlichen Entfernungen und Blickwinkeln festhältst. Ein Standardzoom bietet Flexibilität, während ein erschwingliches 35-mm- oder 50-mm-Festbrennweitenobjektiv bei wenig Licht gut funktioniert und für einen unverwechselbareren Look sorgen kann.
Wie sorge ich dafür, dass mein Low-Budget-Musikvideo professionell wirkt?
Plane den Stil schon vorab, steuere das Licht und zeig von der Location nur das, was für die gewünschte Bildwirkung sorgt. Einheitliche Farben, bewusste Kamerabewegungen und eine selbstbewusste Performance lassen selbst einfache Produktionen durchdacht wirken.
Wie plant man einen Musikvideodreh?
Starte mit einem klaren Konzept, entscheide, ob das Video performance- oder narrativgetrieben sein soll, und erstelle ein Moodboard für den Look. Bereite dann eine Shotlist vor, verteile die Rollen, scoute die Location und erstelle einen realistischen Zeitplan für den Drehtag.
Welche Kameraeinstellungen brauche ich für ein Musikvideo?
Ziel ist eine Mischung aus Totalen, Halbtotalen und Nahaufnahmen sowie statischem und bewegtem Material. Nimm bei Performance-Videos mehrere komplette Takes aus verschiedenen Blickwinkeln auf, damit du im Schnitt genug Material hast, das für Tempo und Abwechslung sorgt.
Wie schneide ich ein Musikvideo am besten?
Synchronisiere zuerst das gesamte Material mit dem finalen Track und wähle dann die stärksten Einstellungen je nach Energie, Komposition und Emotion aus. Lass dich beim Schnitt vom Rhythmus leiten, aber schneide nicht jede Einstellung exakt auf den Beat, damit es nicht langweilig wird.
Weitere Tipps und Techniken findest du auf dem MPB-Blog.
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