Die 2012 erschienene Leica M Monochrom ist eine Digitalkamera, die ausschließlich Schwarz-Weiß-Aufnahmen machen kann. Ein interessanter Ansatz. Doch wie schlägt sich die Leica M Monochrom im Vergleich zu einer Leica MP, die mit Schwarz-Weiß-Film bestückt ist? Ian Howorth hat die Leica M Monochrom und eine analoge Leica MP Black zusammen mit einem Leica 50mm f/2 APO-S-M ASPH- und einem unglaublich seltenen Leica 28mm f/5.6 Summaron-M ASPH-Objektiv für uns getestet.
Manche Fotograf:innen werfen Leica vor, überheblich und überteuert zu sein und den Anschluss an die modernen Entwicklungen in der Fotografie verpasst zu haben. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Seit einem Jahrhundert hält Leica an einem System fest und abgesehen von der Umstellung von Film auf digitale Sensoren hat sich eigentlich nicht viel getan. Aber die Objektive von Leica gehören nach wie vor zu den besten, die es gibt.

Teuer, aber das Geld wert?
Bei Leica kostet eine Kamera ohne LCD-Display auf der Rückseite mehr als das gleiche Modell ohne Display. Dafür legt Leica offenbar großen Wert darauf, das bestmögliche Tool für die Fotografie zu entwickeln. Bei all dem Gerede darüber, dass spiegellose Systeme die Fotografie erobern, vergisst man leicht, dass Leica dieses Konzept praktisch erfunden hat – und zwar schon vor über hundert Jahren.

Bühne frei für die Leica M Monochrom
Als Leica die Leica M Monochrom herausbrachte, prasselte es Kritik. Wer will schon eine Kamera, die nur Schwarz-Weiß-Aufnahmen macht, wenn man dafür auch einfach Bildbearbeitungssoftware nutzen kann?
Aber warum eigentlich nicht? Es ist doch sinnvoll, eine Kamera speziell für Fotograf:innen zu entwickeln, die nur in Schwarz-Weiß fotografieren. Indem man ihnen gar nicht erst eine andere Wahl lässt, zwingt man sie schließlich förmlich dazu, die Schwarz-Weiß-Fotografie zu meistern. Andererseits könnte man sich dafür natürlich auch einfach eine Analogkamera zulegen. Schließlich ist das Fotografieren auf Film und die Arbeit in der Dunkelkammer der Inbegriff der Schwarz-Weiß-Fotografie.

Probieren wir sie aus
Zunächst musste ich mich für den richtigen Film entscheiden. Leica hat die M Monochrom nicht wirklich auf eine bestimmte Filmsorte abgestimmt – zumindest nicht so, wie Fujifilm es mit dem Acros-Preset getan hat. Es gibt nach wie vor viele verschiedene Schwarz-Weiß-Filme, also habe ich mich für einen meiner Lieblinge entschieden: den Adox Silvermax 100. Er bietet eine feine Körnung, einen exzellenten Dynamikumfang und – dank des hohen Silberanteils – eine wunderschöne Wiedergabe von Lichtern und Weißtönen.


Das Fotografieren mit diesem wunderschön gearbeiteten Kraftpaket hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Leica M Monochrom eine Grundempfindlichkeit von ISO 320 hat – tiefer geht es nicht. Allerdings erfordert die Kamera bei der Belichtung viel Fingerspitzengefühl. Zwar gibt es bei Leicas DNG-„RAW“-Dateien Spielraum in der Nachbearbeitung, doch Wunder darf man nicht erwarten. Man muss Spitzlichter mit Respekt behandeln und sich zuerst mit dem Zonensystem vertraut machen.


Die Leica MP ist zwar umwerfend schön, aber das Fotografieren mit ihr war etwas mühsam. Der eingebaute Belichtungsmesser zeigt dir nicht an, wie stark deine Aufnahme über- oder unterbelichtet ist, sondern nur, ob die Belichtung stimmt. Pfeile an beiden Seiten, sagen dir, wenn du daneben liegst. Das ist zwar nicht optimal, aber irgendwann hatte ich den Dreh raus, und dann hat das Fotografieren viel mehr Spaß gemacht.


Welche Fotos waren besser?
Es gibt kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Die Bewertung der Bilder ist rein subjektiv. Vielleicht hätte ich mich beim Film doch lieber für einen Kodak Tri-X oder Ilford HP-5 entscheiden sollen, um eine bessere Übereinstimmung bei den ISO-Werten hinzubekommen. Aber die Leica M Monochrom ist nun mal immer noch nur eine Digitalkamera, die dafür gemacht ist, die Aufnahmen im Nachhinein zu bearbeiten, um den gewünschten Look zu erzielen.


Körnung, Körnung, Körnung
Selbst bei ISO-Werten von 800 oder 1600 sind die Bilder direkt aus der Kamera gestochen scharf. Ein Hauch von Körnung oder digitalem Rauschen wirkt trotzdem angenehm und beeinträchtigt die Bildqualität keineswegs. Wenn du diesen scharfen Dateien bei der Bildbearbeitung noch etwas Körnung hinzufügst, wirst du sie kaum noch von einem gut belichteten und gut gescannten Negativ unterscheiden können. Sie lassen sich wunderbar bearbeiten – und wenn du dir dann noch deine eigenen Presets, wie zum Beispiel deinen bevorzugten VSCO-Tri-X-Filter erstellst, werden dich die Aufnahmen umhauen.


Silvermax
Die mit Silvermax-Film bestückte Leica MP hinkte nicht weit hinterher. Bei Film wird man bei jedem einzelnen Bild, das man macht, an die Kosten für die Entwicklung und die Zeit für das Scannen erinnert. Ich bin kein Dunkelkammerexperte und glaube, dass manche Fotograf:innen mit den richtigen Tricks perfekte Kontaktabzüge aus meinen Negativen zaubern könnten. Allerdings habe ich kein einziges Bild mit der Leica M Monochrom weniger gut hinbekommen als mit dem Silvermax-Film.


Hin und her
Immer wieder habe ich mir die Aufnahmen mit jeder der beiden Kameras einzeln angesehen und dachte dabei jedes Mal, meinen Favoriten gefunden zu haben.
Wenn es jemals ein Objektiv gab, das wie geschaffen für die M Monochrom ist, dann ist es das Leica 28 mm Summaron. Es bietet einen wunderschönen Kontrast, ist in den Ecken zwar nicht ganz perfekt, liefert aber die wunderbarsten Schwarz-Weiß-Bilder.


Das Erlebnis
Für mich ist das Aufnahmeerlebnis das i-Tüpfelchen einer großartigen Kamera. Bei der MP gefielen mir die Bilder jedoch definitiv besser, als mir das Fotografieren damit Spaß machte. Vielleicht wäre das anders gewesen, wenn ich Streetfotografie gemacht hätte, wo Motiv, Humor und Zusammenspiel wichtiger sind als perfekte Belichtung und superpräzise Bildkomposition. Aber bei dem, was ich beim Testen dieser beiden Kameras gemacht habe, hatte ich das Gefühl, nie wirklich so präzise belichten zu können, wie ich es gerne gehabt hätte.


Fazit
Dank der automatischen ISO-Begrenzung auf 800 konnte ich bedenkenlos und, wenn nötig, auch schnell fotografieren. Letztendlich zählt aber vor allem die Bildqualität und was man nach der Aufnahme damit machen kann. Die Leica M Monochrom hat mich hier auf keinen Fall enttäuscht, sondern meine Erwartungen sogar übertroffen.


Lies auch unseren Leica Q3-Testbericht und weitere Testberichte auf dem MPB-Blog.
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